Interlunium 1-21

WDR 3 Hörspiel - 15.03.2017

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Interlunium 1-21

WDR 3 Hörspiel - 15.03.2017, von Anja Hilling

Atlas ist Architekt. Jemand, der Konturen setzt. Er glaubt an sich selbst. Er lebt in einem Haus, das er selbst entworfen hat. In einer festen Beziehung. Manchmal macht er Ausflüge. Aber er kommt immer zurück. Bis jetzt.

Bei den Hörspielaufnahmen von Interlunium: 3 Männer stehen verteilt auf einem Flur., WDR/Luzie Kurth

Atlas ist an diesem Abend auf der Zielgeraden. Beharrlich treibt er die Bewerbung seines Büros für eine neue Mall voran. Zu Hause ist schon alles bereit für das große Familienessen mit Kindern, Eltern, Schwiegereltern. Aber plötzlich passiert etwas anderes. Atlas, die Säule, die alles hält, knickt ein unter der unermesslichen Flächenlast. War es ein Unfall mit dem Auto auf dem Heimweg oder die Attacke eines uralten, geheimnisvollen Vogels? Wo der Architekt vorher mit aller ihm zur Verfügung stehenden Kraft Ordnung und Schönheit schafft und aufrechterhält, bringt das Loslassen Chaos und befreienden Rausch. Atlas kehrt nicht nach Hause zurück. Er begegnet Gedanken, Gewalten, Kindern, Göttern und Geliebten. Gestalten, die nichts anderes sind, als ins Gegenlicht geworfene Materie der umrissenen Person.
mit Mark Waschke

Das Hörspiel steht nach der Sendung befristet zum kostenlosen Download zur Verfügung.

"Die Wüste wächst: weh dem, der Wüsten birgt." (Friedrich Nietzsche: Dionysos-Dithyramben)

"Und der Traum vom Hirn ist aus, und Wiesen rasen gegen die Reifen und das Wort ist entzündet und der Name. Mein Name ist.
Meine Freundin heißt. Meine Kinder. Ich bin. Bin. Egal."

"Würdest du aus anderer Perspektive als der zentralen, die eines Vogels oder Toten vielleicht, die folgende Gewalttat skizzieren, wäre sie dann immer noch ein Akt, der dir geschah, oder wärst du selbst es, der als Ursache aller Gewalt erscheint?"

"Erst warst du vom Raum besessen.
Dann machst du’s dir da drin
So schön wie möglich.
Du nennst es Laufbahn."

"Ich könnte auch im Grundwasser sein.
Ein autonomes Exkrement
Das in dein Immunsystem kriecht."

"Die Stadt ist leer. Ich bin in der Stadt.
Mein Blick sucht: was ihn zerschmettern konnte.
Ich will an Mauern stoßen. Gegen Menschen knallen.
Ich bin allein."

Ausstrahlung: 15. März 2017
Von Anja Hilling
Komposition und Klangregie: Mouse on Mars (Andi Thoma und Jan St. Werner)
Regie: Detlef Meissner
Redaktion: Hannah Georgi / Jan Buck
Produktion: WDR 2017/53‘