Wer aus mir trinkt, wird ein Reh

WDR 3 Hörspiel - 06.06.2018

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Wer aus mir trinkt, wird ein Reh

WDR 3 Hörspiel - 06.06.2018, von Daniela Dröscher

Tristan und Isolde im Arbeitsamt

 Ein Reh steht im Micheldever Wald in Hampshire hinter blühenden Atlantischen Hasenglöckchen., dpa / Victoria Jones

Das Hörspiel steht nach der Sendung befristet zum Download zur Verfügung.

Zuerst sind da nur zwei Suchende im Wartesaal des Lebens. Er, vielleicht ein großer Trickfilmzeichner ohne großen Drang nach Gemeinschaft und Nähe. Sie, eventuell eine gescheiterte Opernsängerin mit dem unstillbaren Verlangen jemandem ihr Herz zu öffnen. So wenig sie über ihre Identitäten verraten wollen, umso mehr spielen sie mit ihnen – bis hin zum Tausch, zum Perspektivwechsel. Und eventuell hat auch Richard Wagner etwas damit zu schaffen. Ein Zittern um die Möglichkeit der Liebe beginnt. Denn "alles ist möglich, wenn man von sich selber nur die Fußspitzen sieht."

Mit Fiona Metscher, Robert Oschatz, Jan Reinartz, Ute Eisenhut (Gesang) und Ewald Gutenkunst (Piano)


Von Daniela Dröscher
Regie: Eva-Maria Baumeister
Komposition: Julia Klomfaß
Dramaturgie: Felizitas Kleine
Technische Realisation: Julia Klomfaß
Redaktion: Martina Müller-Wallraf
Produktion: Autorenkollektiv "kidnap someone and make him happy" 2013/2014

Ausstrahlung: 06. Juni 2018 in WDR 3

Aus urheberrechtlichen Gründen kann das Hörspiel leider nicht zum Download angeboten werden. Sie können die Sendung aufzeichnen. Auf unserer Seite "Der WDR RadioRecorder" finden Sie dazu einige Tipps.

"Blumenkohl / das heißt eigentlich, dass Unsinn zu reden überhaupt nicht möglich ist innerhalb von Sprache / Blumenkohl." Theorie, sinnliche Realität und sprachliche Benennung in einer Collage. Für Rolf Dieter Brinkmann war abgehobenes  Theoretisieren zutiefst unattraktiv. Er gilt als der deutsche Nachkriegsautor, der pop-literarische Forderungen nach neuen Schreibkriterien und neuen Zugängen zum eigenen Ich am radikalsten umsetzte. Brinkmann arbeitete als Autor, Herausgeber und Übersetzer und schuf in den knapp 15 Jahren seiner Schaffensphase ein immenses Werk: Gedichtbände, Erzählungen, einen Roman, Hörspiele, sowie zahlreiche Material- und Collage-Bände, die zum Teil erst postum veröffentlicht wurden. "Jetzt Fällt Draußen Gleichmäßig" entstand zwischen Oktober und Dezember 1973 in Köln, als Brinkmann sich aus dem Literaturbetrieb zurückgezogen hatte und mit dem Mikrofon ein improvisiertes, "atemloses Sprechen" erprobte, eine authentische Vermittlung seiner Reflexionen und Handlungen. Berüchtigt: Die cut-up-inspirierte Art der Montage.

Mit Marleen Brinkmann und Rolf Dieter Brinkmann

Von Rolf Dieter Brinkmann
Redaktion: Christina Hänsel
Produktion: BR 2005/24'

Ausstrahlung: 04. Juni 2018 in WDR 3

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Ingo Golembiewski ist von Hause aus Lyriker, den ein extremer Subjektivismus kennzeichnet. So besteht sein Hörspiel von 1968 auch aus lyrischen Momentaufnahmen und individuellen Zeitsprengseln. Vier Stimmen treffen aufeinander in einer Collage, die teilweise ins Elegische, teilweise ins Sarkastische abdriftet. Sie hat keine Story, definiert keine Zeit und befindet sich in keinem Raum. Aber sie fügt mehr und mehr das Porträt eines Menschen zusammen. Jemand, der aus den Trümmern der zerredeten und zerstörten Solidarität heraustritt, sich gegen Rassismus, Nationalismus, Wirtschaftsglaube und Egoismus stellt - und damit am Ende das politische Engagement des Autors manifestiert. Es entsteht ein skeptisches Menschenbild, das bis heute nichts an Aussagekraft und Kontur verloren hat.

Besetzung:AMichael ThomasBGiselheid HönschMannKurt LieckFrauMagda Hennings


Von Ingo Golembiewski
Regie: Raoul Wolfgang Schnell
Redaktion: Isabel Platthaus
Produktion: WDR 1968

Ausstrahlung: 05. Juni 2018 in WDR 3

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Eigentlich passt er nicht so recht in seine Zeit, der junge Medizinstudent Clemens C. Er ist ein Einzelgänger, ein Träumer, ein Liebender auch. Und er ist ein fanatischer Forscher, der die Auswirkungen des Giftes Caratillo untersuchen will. Das kann er nur durch ein Experiment an sich selbst. Also wandert das Gift bereits durch sein Blut, als er sich an sein Tonband setzt. Eine Stunde hat er noch zu leben. Am Ende verwischt alles, die Zeiten und die Bewusstseinsebenen, die Motive und die Absichten, sein Leben und seine Ideen werden unwirklich und gespenstisch vor dem Prozess des Sterbens. Jetzt sieht er plötzlich sein Leben, wie es hätte sein können, wie er es nun leben möchte, aber dazu ist es zu spät. Die Uhr tickt unerbittlich. Clemens kann die Uhr zerstören, aber nicht die Zeit, die ihn tötet.

Mit Klaus Kinski

Von Horst Bienek
Regie: Mathias Neumann
Redaktion: Hannah Georgi
Produktion: HR 1960

Ausstrahlung: 07. Juni 2018 in WDR 3

Egozentren – Eine Woche über das Verhältnis zwischen Subjekt und Kunst

Mit der Reihe "Egozentren" lotet das WDR 3 Hörspiel die Grenzen der Selbstdarstellung aus. Wieviel genialen Narzissmus hält das Kunstpublikum aus und wo ist die Schwelle zum Wahn?

Klaus Kinski und Rolf Dieter Brinkmann, zwei Persönlichkeiten so unterschiedlich wie man es sich nur vorstellen kann. Auf der einen Seite Brinkmann, der schnodderige Dokumentarist seiner selbst, der nicht scheute sich beim "Pissen" auf dem Trottoir aufzunehmen. Auf der anderen der exzessive, glamourös manieristische Kinski, der ganze Generationen von Schauspielern prägte. Ihre Wirksamkeit schöpfen beide aus Egozentrik.

Das WDR 3 Hörspiel stellt vom 04. bis 07. Juni vier Blicke vor auf die Kunst der Selbstdarstellung. Es erzählt von extremem Subjektivismus bei Ingo Golembiewski, von Stilisierung der eigenen Privatsphäre bei Rolf Dieter Brinkmann, von der hysterischen Kunstfigur Klaus Kinski in seinem legendären Monolog "Sechs Gramm Caratillo". Es entsteht provozierende Radikalität auf dem Grat zwischen Ego und Wahn.