Verpasster Frühling: Leben und Sterben der Luise Straus-Ernst

WDR 3 Hörspiel - 01.07.2017

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Verpasster Frühling: Leben und Sterben der Luise Straus-Ernst

WDR 3 Hörspiel - 01.07.2017, von Eva Weissweiler

Der Kunstwelt ist sie bekannt als erste Frau des Malers Max Ernst, als Muse der Dada- und Surrealisten. Doch sie war viel mehr. Unser WDR 3 Kulturfeature über Luise Straus-Ernst gibt es nach der Sendung hier zum Download.

Luise Straus-Ernst, ca. 1916, Foto aus Nomadengut, Hannover 2000, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

Als stellvertretende Leiterin des Wallraff-Richartz-Museums kuratierte Luise Straus-Ernst eine Ausstellung über "Kriegsdarstellungen in der Grafik des 15. bis 18. Jahrhunderts". Die Rekonstruktion der Ausstellung ist bis zum 10.09. in Köln zu sehen.

Luise Straus-Ernst war Kunsthistorikerin, Verfasserin von Kurzgeschichten, Reportagen, Romanen und Rundfunk-Autorin der ersten Stunde. Ihre Ehe mit Max Ernst hielt nur wenige Jahre. Ihn zog es hinaus nach Paris, während sie mit Sohn Jimmy in Köln blieb. Doch auch sie musste bald fort. Denn sie war Jüdin. 1933 emigrierte sie nach Frankreich. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges "verpasste" sie die Chance eines zweiten Exils und versteckte sich in einem Hotel in der Provence, wo sie ihre Autobiographie,"Nomadengut", schrieb. Im Frühling 1944 wurde sie deportiert. Sie starb mit 51 Jahren in Auschwitz. Eva Weissweiler ist ihren Spuren nachgegangen und hat ihre Texte neu entdeckt.
Das Feature steht nach der Sendung befristet zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Sie war nicht nur eine der ersten Kunsthistorikerinnen, sie leitete im Ersten Weltkrieg außerdem kommissarisch das Wallraf-Richartz-Museum und mischte als Dadaistin die Kölner Kunstszene auf. Elf Jahre lang war sie vor den Nazis auf der Flucht, die sie dann doch fanden und 1944 in Auschwitz ermordeten.

Vielen ist Luise Straus-Ernst, die erfolgreiche Historikerin und engagierte Künstlerin mit dem bewegten Leben, nur als die erste Ehefrau von Max Ernst bekannt.

Dieser verkürzten Wahrnehmung setzt das Wallraf-Richartz-Museum nun eine Ausstellung entgegen. Dafür rekonstruiert das Kölner Museum die 1917 von Straus-Ernst selbst gezeigte Sonderschau "Alte Kriegsdarstellungen - Graphik des 15. bis 18. Jahrhunderts".

(Jan van de Velde II, Schießende Artillerie mit Kanonen bei Nacht [aus: Die 4 Elemente, Nr. 3: Das Feuer], um 1622, Radierung)

Rund 120 Blätter von Meistern wie Dürer, Goltzius und Callot hatte Straus-Ernst einst ausgewählt und versprach den Besuchern im begleitenden Katalog "einen knappen Überblick über die Kriegsdarstellungen in der graphischen Kunst".

(Albrecht Dürer, Die große Kanone, 1518, Eisenradierung)

Aber die Schau war keine Jubelausstellung, die die schwindende Kriegseuphorie des deutschen Volkes wieder entfachen sollte. Im Gegenteil: Die stummen Blätter zeigten und zeigen den Krieg als menschliche Katastrophe, ungeschönt und in all seiner Nachdrücklichkeit.

(Jacques Callot, Die Bestrafung [aus den "Schrecken des Krieges", Nr. 11], Radierung)

Eine Auswahl von 64 der vor 100 Jahren erstmals ausgestellten Werke sind jetzt im Graphischen Kabinett des Wallraf zu sehen.

(Georg Pencz, Die Eroberung Karthagos durch die Römer, 1539, Kupferstich)

Die Schau fragt nach der Motivation, mit der sich Straus-Ernst dem Thema "Krieg in der Kunst" widmete, und skizziert gleichzeitig die unterschiedlichen Facetten einer außergewöhnlichen Persönlichkeit.

(Albrecht Dürer & Hans Springinklee, Zweiter Krieg mit Geldern [aus: Die Ehrenpforte für Kaiser Maximilian I.], 1515, Holzschnitt)

Den alten Blättern werden zehn aktuelle Arbeiten von Louisa Clement gegenübergestellt, die sich mit der medialen Präsenz und Allgegenwärtigkeit heutiger Kriegsdarstellungen auseinandersetzen.

(Louisa Clement, weapon 2, 2017, 120 x 66 cm, Inkjetprint)

Die ehemalige Meisterschülerin von Andreas Gursky studierte von 2010 bis 2015 an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf und gewann 2016 den Förderpreis des Landes NRW.

(Louisa Clement, Gliedermensch #14, 2017, 100 x 65 cm, Inkjetprint)

Die Ausstellung "1917 - Erinnerung an Luise Straus-Ernst" läuft bis zum 10. September 2017 im Kölner Wallraf-Richartz-Museum.

(Albrecht Dürer, Reiter und Landsknecht, um 1496, Holzschnitt)

Literatur zum Feature:
Eva Weissweiler: Notre Dame de Dada. Luise Straus - das dramatische Leben der ersten Frau von Max Ernst. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2016, 456 Seiten, 24,99 EUR

Ausstrahlung am 1. Juli 2017, Wiederholung am 2. Juli 2017
Ein Feature von Eva Weissweiler
Sprecher: Martina Gedeck, Katharina Schmalenberg, Michael Ewers, Mark Oliver Bögel und Robert Dölle
Regie: Claudia Johanna Leist
Redaktion: Dorothea Runge
Produktion: WDR 2014